Orsières liegt im französischsprachigen Teil des Wallis und erstreckt sich über ein weites Gebiet im Val d’Entremont sowie in den Seitentälern Val Ferret und Vallée de Champex. Der Hauptort liegt an der Dranse d’Entremont, wo auch die Dranse de Ferret einmündet. Die Gemeinde grenzt an sieben Nachbargemeinden und zwei Länder: im Norden an Sembrancher und Bovernier, im Süden an Liddes und Italien, im Osten an Val de Bagnes und Bourg-Saint-Pierre und im Westen an Martigny-Combe, Trient und Frankreich. Im Südwesten erhebt sich der Mont Dolent, an dem sich auf über 3800 Metern das Dreiländereck zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz befindet.
Erstmals erwähnt wird Orsières im Jahr 972 als Pons Ursarii, als eine Schar Sarazenen hier den Abt von Cluny gefangen nahm – ein Hinweis auf die seit der Antike genutzte Passstraße über den Grossen Sankt Bernhard. Im Mittelalter gehörte die Region zu Savoyen, bis sie 1475 Teil der Landvogtei Saint-Maurice wurde. Unter savoyischer Herrschaft entwickelte sich Orsières zu einer selbstverwalteten Gemeinde mit eigener Gerichtsversammlung. Während der Franzosenzeit gehörte es zeitweise zum Département Simplon, und im Zweiten Weltkrieg entstanden hier Befestigungsanlagen wie die Artilleriewerke Champex und Commeire.
Die Gemeinde ist bekannt für ihre alpine Landschaft mit Gletschern, Bergseen und ausgedehnten Wäldern, die zu den grössten der Schweiz zählen. Wirtschaftlich prägend waren lange Zeit Landwirtschaft und Viehzucht, heute spielt der Tourismus eine zentrale Rolle. Orsières ist ein bedeutendes Produktionsgebiet für Raclette-Käse, und in Champex-Lac sowie La Fouly haben sich beliebte Fremdenverkehrsorte entwickelt. Wanderwege wie ein Abschnitt der Via Francigena und der alpine Rundweg Tour du Mont-Blanc führen durch das Gebiet, während die Bahnlinie Martigny–Orsières den Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz sichert.