Sarajevo
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Sarajevo ist eine Stadt, die Geschichte atmet und gleichzeitig den Puls einer lebendigen Gegenwart schlägt. Zwischen osmanischen Moscheen und österreichisch-ungarischen Prachtbauten, zwischen den Narben des Krieges und den Zeichen des Wiederaufbaus, erzählt jede Gasse, jedes Gebäude, jeder Hügel eine eigene Geschichte. Die Route führt durch das Herz der bosnischen Hauptstadt und ihre Umgebung, wo sich Kulturen, Religionen und Epochen überlagern – von der osmanischen Blütezeit über die österreichisch-ungarische Herrschaft bis in die jüngste Vergangenheit.
Vom Basar zum Zentrum
Die Baščaršija ist der Ort, an dem Sarajevo beginnt. Der historische Basar, im 15. Jahrhundert unter Isa-Beg Ishaković angelegt, ist das lebendige Zentrum des osmanischen Erbes. Enge Gassen führen vorbei an traditionellen Handwerksläden, in denen Kupferschmiede und Silberschmiede seit Generationen arbeiten. Der Sebilj-Brunnen auf dem zentralen Platz ist das Wahrzeichen des Viertels, ein Ort zum Verweilen und Beobachten. Gleich daneben steht die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, deren 47 Meter hohes Minarett über die Dächer ragt und seit 1531 das Stadtbild prägt. Ihr Brunnenhof mit dem filigranen Šadrvan und die gegenüberliegende Medresa zeigen die Verbindung von Religion und Bildung, die das osmanische Sarajevo ausmachte. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich der historische Uhrturm Sahat Kula, dessen Uhren seit Jahrhunderten die Gebetszeiten anzeigen.
Brücken der Geschichte
Die Lateinerbrücke ist mehr als eine Steinbogenbrücke über die Miljacka – sie ist ein Symbol für den Beginn des Ersten Weltkriegs. Am 28. Juni 1914 stand Gavrilo Princip hier und veränderte mit einem Schuss die Weltgeschichte. Die Brücke, ursprünglich mit fünf Bögen gebaut, wurde nach einem Hochwasser 1791 mit vier Bögen wiederhergestellt, ihre markanten „Augen“ in den Pfeilern sind bis heute im Stadtwappen zu sehen. Heute ist sie für den Verkehr gesperrt und lädt zum Verweilen ein, während die Flussufer und umliegenden Gebäude das Bild einer Stadt zeigen, die zwischen Tradition und Moderne schwankt. Unweit davon erinnert die Herz-Jesu-Kathedrale an die katholische Präsenz in Sarajevo. Die neugotische Basilika mit ihren farbenprächtigen Buntglasfenstern und weißen Marmorskulpturen entstand zwischen 1884 und 1889 und ist ein Zeugnis der österreichisch-ungarischen Epoche.
Religiöse Vielfalt im Stadtbild
Die Mariä-Geburt-Kathedrale steht als eine der größten orthodoxen Kirchen des Balkans im Zentrum und unterstreicht die religiöse Vielfalt Sarajevos. Erbaut zwischen 1859 und 1874, markiert sie einen Wendepunkt, als christliche Gemeinden nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft wieder Kirchen errichten durften. Ihre fünf Kuppeln und die vergoldete Ikonostase zeigen den neoklassizistischen Stil, der von Andrej Damjanov geprägt wurde. Nur wenige hundert Meter entfernt erhebt sich die Ali-Pascha-Moschee, eine Stiftung des Statthalters Hadim Ali-Pascha aus den 1560er Jahren. Ihr quadratischer Grundriss und die mächtige Kuppel sind typisch für die osmanische Architektur, während die filigranen Stalaktiten und Steinornamente die Handwerkskunst der Region widerspiegeln. Die Moschee wurde im Krieg schwer beschädigt, doch nach der Restaurierung 2004 als Nationaldenkmal anerkannt.
Kultur und Wissen in Stein
Das Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird. Gegründet 1888, beherbergt es in einem Gebäude aus dem Jahr 1913, entworfen von Karel Pařík, Sammlungen von prähistorischen Fundstätten bis zu römischen Ruinen. Besonders wertvoll ist die Sarajevo Haggada, ein mittelalterliches illuminiertes Manuskript, das vermutlich um 1350 im nördlichen Spanien entstand und nach der Vertreibung der Juden 1492 über Italien nach Sarajevo gelangte. Während des Zweiten Weltkriegs rettete der Bibliothekar Derviš Korkut das Werk vor den Nazis, indem er es in einer Moschee auf dem Bjelašnica-Gebirge versteckte. Heute kann man die Haggada im klimatisierten Raum des Museums bewundern, umgeben von weiteren historischen Dokumenten verschiedener Religionen.
Architektur der Moderne und Erinnerung
Der Avaz Twist Tower ist das höchste Gebäude Bosniens und Herzegowinas und ein Symbol für den modernen Aufschwung Sarajevos. Mit 142 Metern Höhe und einer verdrehten Glasfassade, die sich je nach Tageslicht verändert, ragt er über das Geschäftsviertel Marijin Dvor. In der 36. Etage bietet eine Aussichtsterrasse Panoramablicke über die Stadt, während das Café in der 35. Etage zum Verweilen einlädt. Unweit davon steht das Stadion Asim Ferhatović Hase, auch Olimpijski stadion Koševo genannt, das mit 30.121 Plätzen das größte Stadion des Landes ist. Bekannt wurde es durch die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1984, doch seine Geschichte reicht bis 1947 zurück. Heute nutzen der FK Sarajevo und die bosnisch-herzegowinische Fußballnationalmannschaft die Anlage, die im Krieg schwer beschädigt und später wiederaufgebaut wurde.
Der Tunnel und das Überleben
Der Sarajevo-Tunnel ist ein stilles Zeugnis des Widerstands während der Belagerung von 1992 bis 1995. Die etwa 800 Meter lange Fußgängerpassage unter der Flughafen-Startbahn verband den belagerten Stadtteil Dobrinja mit dem Vorort Butmir und diente als einzige Versorgungsader für Nahrung, Munition und Medikamente. Bis zu 4.000 Menschen nutzten ihn täglich, unterstützt von einer Pipeline für Treibstoff und Kabeln für Strom und Kommunikation. Heute kann ein Originalstück des Tunnels im Museum im Haus der Familie Kolar in Butmir besichtigt werden, zusammen mit historischen Aufnahmen, Karren und Werkzeugen aus der Bauzeit. Ein Dokumentarfilm vertieft die Einblicke in eine Zeit, in der Normalität nur unter der Erde möglich war.
Grüne Oasen und olympisches Erbe
Der Trebević ist ein Berg, der Sarajevo überragt und dessen Geschichte mitprägt. Mit 1629 Metern Höhe gehört er zum Gebirgszug Jahorina und war Schauplatz der Olympischen Winterspiele 1984. Hier stand die ehemalige Bob- und Rodelbahn, heute eine Ruine, sowie österreichische Befestigungen wie die Festungen Zlatište und Palež. Die 2018 wiedereröffnete Seilbahn führt zum Start der Bahn, während ein Klettersteig zu sportlichen Aktivitäten einlädt. Am Nordhang erinnern die Überreste der Belagerung an die Kämpfe während des Krieges, als der Berg als strategischer Punkt umkämpft war. Heute ist der Trebević ein Naherhol
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