Niederösterreich

Oflag XVII-A

Zwischen den Dörfern Edelbach und Döllersheim im Waldviertel, nahe Allentsteig in Niederösterreich, lag während des Zweiten Weltkriegs das Offizierslager Oflag XVII-A. Es entstand auf dem Gelände eines früheren Truppenübungsplatzes, der mit 200 Quadratkilometern zu den größten militärischen Übungsgebieten Mitteleuropas zählte. Ursprünglich als Kaserne für Militärübungen errichtet, wurde das Gelände nach dem Anschluss Österreichs 1938 von der Wehrmacht übernommen und mit Stacheldrahtzaun sowie Wachtürmen zu einem etwa 440 mal 530 Meter großen Gefangenenlager umfunktioniert. Das Lager beherbergte bis zu 6000 französische und polnische Offiziere, die in Baracken mit je zwei Schlafsälen und minimaler Ausstattung lebten. Trotz der Umstände bot es bessere Bedingungen als viele andere Kriegsgefangenenlager. Die Gefangenen organisierten sich kulturell und intellektuell: Sie gründeten einen Chor, eine Theatergruppe und eine eigene Universität unter Leitung des Mathematikers Jean Leray, der dort Analysis und Topologie lehrte. Zudem entstand eine Lagerzeitung und sogar ein heimlich gedrehter Film über das Leben im Lager. Ein Höhepunkt der Lagergeschichte war die Flucht von 132 Gefangenen im September 1943, die sich als französische Zivilisten tarnten. Die meisten wurden später wieder gefangen genommen, doch zwei erreichten Frankreich. Nach der Evakuierung im April 1945 bei Annäherung der Roten Armee wurden die Gefangenen auf einen Todesmarsch Richtung Linz getrieben. Das Lager selbst wurde im Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit und später zeitweise von ihnen als Gefangenenlager genutzt. Heute gehört ein Teil des Geländes wieder zur zivilen Nutzung, während der Rest weiterhin als Truppenübungsplatz dient.

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