Pisa
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In der toskanischen Stadt Pisa und ihrer Umgebung reihen sich Bauwerke, Plätze und Landschaften zu einem Bild zusammen, das von mittelalterlicher Pracht und wissenschaftlicher Neugier erzählt. Hier steht der berühmteste schiefe Turm der Welt neben einer der ältesten Universitätsstiftungen Italiens, während sich an den Ufern des Arno sakrale Kunst und profane Geschichte begegnen. Die Route führt vom Herz der Stadt, der Piazza dei Miracoli, über versteckte Kirchen und Gärten bis in die ruhigen Hügel und Flusslandschaften der Provinz. Wer ihr folgt, spürt die Spannung zwischen dem Ruhm Pisas als Seerepublik und der beschaulichen Gegenwart einer Stadt, die ihre Vergangenheit bewahrt.
Der Platz der Wunder
Die Piazza dei Miracoli ist der Ort, an dem Pisas größter Ruhm und seine größte Kuriosität zusammentreffen. Auf diesem Rasenplatz stehen der Dom Santa Maria Assunta, der Schiefe Turm, das Baptisterium San Giovanni und der Camposanto Monumentale beieinander und bilden ein Ensemble aus weißem Carrara-Marmor. Der Dom, 1063 begonnen, vereint frühchristliche, romanische und byzantinische Stile und zeigt mit seiner fünfschiffigen Basilika den Reichtum der pisanischen Seerepublik. Das Baptisterium, mit 54 Metern Höhe und 107 Metern Umfang das größte der Welt, überrascht im Inneren mit einer Akustik, die jeden Ton klar trägt. Der Camposanto, ein monumentaler Friedhof mit Kreuzgang, birgt Freskenzyklen wie den Triumph des Todes und das Jüngste Gericht, die nach Kriegszerstörungen gerettet wurden. Seit 1987 gehört die ganze Anlage zum UNESCO-Welterbe und zieht Besucher an, die hier die Verbindung von Architektur, Religion und Kunst erleben.
Der schiefe Glanz des Turms
Der Schiefe Turm von Pisa ist das Wahrzeichen der Stadt und ein Zeugnis der Baukunst des Mittelalters. Schon während seiner Entstehung im 12. Jahrhundert begann er sich nach Südosten zu neigen, weil der Untergrund aus lehmigem Morast und Sand unter dem Gewicht nachgab. Nach jahrhundertelangen Unterbrechungen und Sanierungen beträgt die Neigung heute etwa vier Grad, was einer Auslenkung von fast vier Metern an der Spitze entspricht. Der 56 Meter hohe Turm besteht aus 14.500 Tonnen Carrara-Marmor und ruht auf einem spiralförmigen Fundament aus Bruchstein und Mörtel. Ursprünglich als freistehender Glockenturm für den Dom geplant, durfte er lange nicht läuten, bis die Einsturzgefahr gebannt war. Eine Legende verbindet ihn mit Galileo Galilei, der hier angeblich Fallversuche durchführte. Besucher steigen über eine innere Wendeltreppe hinauf und blicken von oben auf die Stadt und die umliegenden Hügel.
Wissenschaft zwischen Blättern und Bäumen
Der Botanische Garten von Pisa entstand 1543/44 als ältester universitärer botanischer Garten der Welt und wurde später an seinen heutigen Standort nahe der Piazza dei Miracoli verlegt. Ursprünglich umfasste er auch ein naturwissenschaftliches Museum, das 1814 abgetrennt wurde, und wuchs im 19. Jahrhundert auf etwa drei Hektar mit 148 Beeten und 2000 Arten. Besonders sehenswert sind das Arboretum mit einem Ginkgo biloba und einer Magnolie aus dem Jahr 1787 sowie der Orto del Mirto mit 140 Heilpflanzen. Feuchtgebiete beherbergen bedrohte Sumpfpflanzen, während systematische Abteilungen 550 Arten zeigen. Die Wege führen vorbei an seltenen Pflanzen und bieten Einblicke in die botanische Forschung. Die Nähe zur Piazza dei Miracoli ermöglicht eine Kombination mit einem Besuch der berühmten Bauwerke.
Ritter, Macht und Marmor
Die Piazza dei Cavalieri entstand im Auftrag der Medici und wurde von Giorgio Vasari gestaltet. Sie diente als Machtzentrum der Familie und beherbergte die Gebäude des Stephansordens, nach dem der Platz benannt ist. Heute befinden sich hier Institute der Scuola Normale Superiore Pisa. Der Palazzo della Carovana, einst Hauptquartier des Ordens, zeigt eine Fassade mit Sgraffiti und Büsten der Großherzöge. Die Kirche Santo Stefano dei Cavalieri beeindruckt mit einer reichen Ausstattung und Beutestücken aus Seeschlachten. Ein Denkmal für Cosimo de’ Medici erinnert an die Verbindung von Politik und Orden. Der Palazzo dell’Orologio verbindet historische Türme wie den Hungerturm, der mit der tragischen Geschichte Ugolino della Gherardescas verbunden ist. Die Gebäude spiegeln die wechselvolle Geschichte Pisas wider.
Flussufer und stille Andacht
Die Kirche Santa Cristina steht direkt am Ufer des Arno im Stadtviertel Lungarno Gambacorti und ist seit dem 9. Jahrhundert urkundlich belegt. Der Mailänder Graf Luigi Archinto ließ sie 1814 im neoklassizistischen Stil wiederaufbauen, wobei ein Gemälde der Madonna mit Kind aus dem 14. Jahrhundert erhalten blieb. Besonders bekannt ist die erste rechte Seitenkapelle mit einem Werk von Domenico Passignano, das die stigmatisierte Heilige Katharina zeigt. Hier hing einst ein Kruzifix des 13. Jahrhunderts, vor dem 1375 die heilige Katharina von Siena während eines Gebets in Pisa die Wundmale Christi empfing. Die schlichte Raumwirkung und die historischen Kunstwerke laden zum Verweilen ein.
Jüdisches Erbe in Stein
Die Synagoge in Pisa befindet sich im historischen Zentrum der Stadt, in der Via Palestro 24. Das Gebäude wurde 1647 von der jüdischen Gemeinde erworben und 1785 erstmals umgebaut. Der endgültige Stil entstand zwischen 1860 und 1863 durch den Architekten Marco Treves. Nach umfangreichen Restaurierungen wurde die Synagoge 2015 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Inneren beeindruckt der Raum durch schlichte Eleganz mit klaren Linien und einer zurückhaltenden Farbgebung. Die Atmosphäre wird von den historischen Elementen des Gebäudes geprägt, die durch die jüngsten Arbeiten behutsam bewahrt wurden.
Kleine Kirche mit großer Geschichte
Die Santa Maria della Spina ist eine kleine Kirche in Pisa, die ursprünglich auf dem Flussbett des Arno stand. Ihr Name geht auf einen Dorn der Christuskrone zurück, der hier lange Zeit aufbewahrt wurde. Die Kirche wurde um 1230 als Oratorium begonnen und später von Lupo di Francesco mit gotischen Elementen wie Spitztürmen und Statuen verziert. Berühmte Künstler wie Giovanni Pisano und Andrea Pisano schufen bedeutende Werke für die Fassade und das Innere. Mehrfach musste die Kirche wegen Hochwasserschäden restauriert werden, bevor sie 1884 an ihrem heutigen Standort wiederaufgebaut wurde. Im Inneren sind Werke von Andrea Pisano und Nino Pisano zu sehen, darunter Statuen der Madonna mit Kind und des Heiligen Petrus.
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