Kastell Gernsheim
nicht erhaltenes römisches Militärlager im Süden von Gernsheim, Kreis Groß-Gerau
Das Kastell Gernsheim war ein römisches Militärlager im Süden des Ortskerns von Gernsheim, Landkreis Groß-Gerau. Es lag an der Nibelungenstraße und war vermutlich ein Kohortenkastell, das etwa 500 römische Soldaten beherbergte. Das Kastell war ein Knotenpunkt zweier römischer Straßen und vermutlich mit einem Hafen am Rhein verbunden. Nordöstlich von Gernsheim liegt das Kleinkastell Allmendfeld, und 18 km nördlich befindet sich das Kastell Groß-Gerau. Das Kastell wurde 2014 bei Grabungen entdeckt, als ein Grundstück bebaut werden sollte. Die Ausgrabung wurde von Thomas Maurer geleitet und diente als Lehrgrabung für Archäologiestudenten. Funde wie gestempelte Ziegel der Legio I Germanica und XIIII Gemina sowie ein Ziegel der Legio XXII Primigenia belegen die Verbindung zum Kastell. Die Nutzung wird auf den Zeitraum 70 bis 110 n. Chr. datiert. Zudem wurden Münzen, Melonenperlen, Amphorenreste und Alltagskeramik gefunden, die auf eine römische Kohorte mit Pferden und einen weitreichenden Handel hinweisen. Die Grabungen 2015 ergaben Mauerreste des Vicus, Verteidigungsgräben, Brunnen und Funde wie Fibeln, Glasreste und reliefverzierte Terra Sigillata. Die Terra Sigillata stammt von einem Töpfer namens Masculus und wird einem Töpfereizentrum in La Graufesenque zugeordnet. Die Funde deuten auf eine starke römische Präsenz und einen intensiven Handel in der Region hin. Die Grabungsfläche umfasste etwa 80 Prozent der untersuchten Fläche, und die Ergebnisse zeigen, dass die Ortschaft erst nach dem Niederlegen des Kastells ausgebaut wurde.
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- Art
- Archäologische Stätte
- Ort
- Gernsheim
- Denkmalstatus
- Kulturdenkmal in Deutschland
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