Norditalien

Cascate dell'Acquafraggia

Die Cascate dell'Acquafraggia stürzen bei Borgonuovo, einem Ortsteil der Gemeinde Piuro in der Valchiavenna in der Provinz Sondrio, in Doppelsträngen die Felswand hinunter. Vom Talboden aus sind sie in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar; die Fallhöhe beträgt rund 170 Meter. Der Bach entspringt einem von Gletschern gespeisten See auf 2.041 Metern nahe der Schweizer Grenze und legt 5,7 Kilometer zurück, bis er bei Piuro in die Mera mündet. Der Name geht auf das lateinische Aqua Fracta zurück, "gebrochenes Wasser", was den zerteilten Sturz gut beschreibt. Beschrieben hat den Fall schon Leonardo da Vinci: Im Codex Atlanticus notierte er um 1495 "Wasserfälle von vierhundert Ellen" und einen schönen Anblick; später widmete ihm auch der Schriftsteller Cesare Cantù Zeilen. Die Region Lombardei hat das Gebiet unter Schutz gestellt. Im dauernden Sprühnebel am Fuß der Fälle wächst der seltene Farn Pteris cretica, der sonst wärmere Standorte braucht — das feuchte Kleinklima der Kaskaden macht ihn hier möglich. Rundherum liegen Wiesen mit Rastplätzen, und der Talboden mit den Dörfern der Valchiavenna beginnt unmittelbar darunter. Am meisten Wasser führen die Fälle im Frühsommer, wenn die Schneeschmelze in den Bergen einsetzt.

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