Sainte-Chapelle
Die Sainte-Chapelle steht auf der Île de la Cité mitten in Paris, eingebaut in den ehemaligen Palais de la Cité, aus dem der heutige Justizpalast hervorgegangen ist. Ludwig IX. ließ sie errichten, um die Passionsreliquien aufzunehmen, die er ab 1239 erworben hatte, darunter die Dornenkrone. Die Kapelle war damit kein Gemeindebau, sondern ein Reliquienschrein in Architekturform, unmittelbar an die königlichen Gemächer angeschlossen. Gebaut wurde in nur vier bis sechs Jahren; am 26. April 1248 wurde die Kapelle geweiht. Die Kosten sollen rund 40.000 Livres tournois betragen haben. Angelegt ist der Bau als zwei übereinanderliegende Kapellen: unten die niedrigere für das Hofpersonal, oben die königliche. In der Oberkapelle ist die Wand fast vollständig durch Glas ersetzt — fünfzehn hohe Fenster mit erzählenden Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, dazu eine Rosette im spätgotischen Flamboyantstil. Von 1837 bis 1863 restaurierten Félix Duban und Jean-Baptiste Lassus den Bau; die Arbeiten gelten als eine der geglücktesten Restaurierungen des 19. Jahrhunderts. Der Weg führt zuerst durch die dunkle, gedrungene Unterkapelle und dann über eine enge Wendeltreppe nach oben, wo der Raum unvermittelt hell wird — dieser Kontrast war so geplant. Die Wirkung der Fenster hängt stark am Licht: An sonnigen Vormittagen leuchten sie am kräftigsten, an trüben Tagen bleiben die Farben stumpf. Die Kapelle gehört seit 1991 als Teil der Pariser Seine-Ufer zum UNESCO-Welterbe; 2019 kamen über 1,3 Millionen Besucher, weshalb vor dem Eingang meist Wartezeit einzurechnen ist.
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